Nachtrag aus dem Netz

Herrje, dieser Netzpolitische Kongress der SPD-Bundestagsfraktion ist schon wieder zwei Tage her. Ein kurzer Bericht: Gut ist, dass sich die Tragweite der gerade stattfindenden Umwälzungen bei vielen Sozis herumgesprochen hat, schlecht, dass das nicht für alle gilt. Der Hannoverbezug des Tages: Endlich habe ich den hervorragenden Blogleser Christopher Bulle einmal persönllch kennengelernt. Ausführlicher berichte ich in den nächsten Tagen auf vorwaerts.de.

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Schiff Ahoi!

Die Welt und vor allem dieses Internet stecken voller Ablenkungen – auch für Menschen, die keine Katzen mögen. Jetzt hat mich ein Freund auf die Seite marinetraffic.com aufmerksam gemacht. Ich folgte dem Link und es war um mich geschehen.

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Die Sache ist eigentlich recht simpel – dargestellt werden die Daten des AIS, eines Funksystems, das der Lenkung und Sicherheit des Schiffsverkehrs dient. Für leidenschaftliche Schiffegucker und mitunter vom Heimweh geplagte Nordmänner wie mich eine Offenbarung: Ich erfahre zu meiner Bestürzung, dass es tatsächlich ein Frachtschiff namens „Borussia Dortmund“ gibt. Es fährt unter zypriotischer Flagge, aktueller Ort zwischen Rügen und Falster, während die Fähre Küstrin unermüdlich am Nobiskrug Menschen und ihre Autos über den Nord-Ostsee-Kanal schaufelt. Der Seenotkreuzer Nis Randers, vorhin schon einmal draußen, liegt jetzt wieder im Hafen von Maasholm und auf dem Englischen Kanal ist wie immer der Teufel los. Zu meinem Glück fehlen jetzt nur noch Möwengeschrei und ein Fischbrötchen.

Und warum jetzt genau?

„Nur ein Blog gehört wirklich Dir im Internet – alles andere ist nur geborgt. Nur ein Blog ist unter deiner Kontrolle. Ich möchte, dass wir zusammen eine Renaissance des Blogs veranstalten, eine Renaissance der selbstkontrollierten Homepage! Macht 2012 zum Jahr der Blogs! Tragt diese Botschaft hinaus in die Welt: Bloggen! Liebe SocialMediaRockstarConsultantPeople, springt über Euren erbärmlichen Schatten und erzählt Blogs! Es bloggen einfach noch nicht genug Leute. Tragt die Botschaft in die Welt: Macht ein, zwei, viele Blogs!“ – es war ein flammender Appell, den Sascha Lobo vor ein paar Tagen bei der Re:publica 12 an seine Zuhörer richtete. An meinem Endgerät gehörte auch ich zu Lobos Publikum.

Ich bin kein großer Freund des Pathos, aber bei diesem Lobo weiß man ja sowieso nicht immer, ob das alles so ernst gemeint ist oder diverse Male ironisch gebrochen. Und die Grundthese hatte er Tage zuvor auch schon deutlich weniger pathetisch in seine SpOn-Kolumne „Mensch-Maschine“ dargelegt und ausgeführt. Es ist eine dieser Binsen, die man sich immer wieder klar machen muss: Es ist nichts umsonst. Der Landwirt stellt seinen Schweinen nicht aus reiner Tierliebe Stall und Futter zur Verfügung – und der Herr Zuckerberg uns Facebook-Nutzern ebensowenig die Serverkapazitäten. Wir bezahlen mit unseren Daten. Und mehr noch: Firmen wie Facebook behalten sich vor, uns manches zu erlauben, anderes hingegen zu verbieten.

Selbst zu bloggen heißt natürlich nicht, alles andere zu lassen. Microblogging empfinde ich als eine eigenständige Kunstform und Facebook ist so etabliert wie das Tragen von Hosen. Aber ich will meinen Beitrag leisten, 2012 zum Jahr des Blogs zu machen. Zumindest probiere ich das jetzt mal aus. Und eines verspreche ich: Es wird hier keine Katzenbilder geben.

Den eingangs genannten Vortrag von Sascha Lobo gibt es hier, der Appell für mehr Blogs kommt nach gut 24 Minuten, aber der Vortrag ist auch sonst hörenswert.