Ein Hemd, ein Hemd!

Das heutige Hemd ist, wie sollte es anders sein, ein Fußballtrikot. Genauer gesagt eines meines Lieblingsklubs, des FC St. Pauli. Viele sehen einen Widerspruch darin, für St. Pauli und für die deutsche Mannschaft zu sein. Denn St. Pauli ist doch so links und unangepasst und Punkrock und ein Punkrocker, der für Deutschland ist ist doch  in etwa so absurd wie ein Ire, der für England ist und…

Das sehe ich anders.

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Und auch wenn mein Vater Fußballtrikots an Fans als „Narrengewänder“ diffamiert finde ich, dass man sie durchaus mit Würde tragen kann, wie dieses Foto von Miriam S. aus H., die mir auch das heutige Hemd schenkte, hoffentlich beweist:

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Schlandstelle revisited

„Also Berlin ist ja schon toll…aber leben könnte ich da ja nicht“ – ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz schon in Hamburg hören musste. Dennoch gibt es mitunter Rückkoppelungen zwischen den beiden wirklichen Städten Deutschlands. So haben die Drei von der Schlandstelle es gestern Abend etwas dezenter angehen lassen. (Dass sie bodygepainted respektive gebodypainted gewesen seien, ist reine Spekulation):

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Ich hingegen habe es nicht beim Hemd belassen und noch die Flagge meines Heimatlandes rausgesucht, das zum Glück 1946 aus mehreren alten Ländern entstanden ist und daher die an einem Fußballabend zweckmäßigen Grundfarben hat.

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Mein Nachbar David aus Toronto hatte solch eine „Deutschlandflagge“ noch nie gesehen.

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Viele Berliner offenbar auch nicht. Dauernd wurde ich gefragt, ob ich aus Nordrhein-Westfalen sei.

Wo guckstu?

Silvester ist das zwiespältigste Fest des Jahres. Man muss nach Kalender fröhlich und ausgelassen sein und meist werden schon die Weihnachtstage überschattet von der dräuenden, allzu lange aufgeschobenen Frage: „Wo gehen wir eigentlich Silvester hin?“ Vor einigen Jahren hat Silvester Junge bekommen – Deutschlandspiele bei großen Turnieren. Früher, Helmut Kohl war noch Kanzler, war das alles viel einfacher. Wenn Deutschland spielte hockte man sich in sein Wohnzimmer, saugte sich das eine und andere Bier rein und brüllte den eigenen Fernseher an. Wenn vielleicht ein paar Kumpels da waren und man vorher grillte oder sich die Mannschaft im Clubheim (das hieß wirklich so) zusammenrottete, dann war das schon ein Ereignis, das Wort „Event“ gab es damals noch nicht in Mitteleuropa. Heute muss, wenn möglich, unter freiem Himel geschaut werden. Selbst meine Kirchengemeinde macht mit:

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Dass die keinen Alkohol ausschenken finde ich richtig und nachvollziehbar, leider gab es beim letzten Mal zu wenig Stühle und Bänke. Also ging ich in die benachbarte Pizzeria, wo seltsamerweise auch noch die Getränke deutlich günstiger waren als bei der Kirche. Dort traf ich auf viele Bekannte aus der Nachbarschaft, die sogar noch Platz für mich hatten.

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Hätte ein schöner runder Fußballabend werden können. Leider hat das Fernsehsignal einen deutlich kürzeren Weg in den Kirchengarten von Heilig Kreuz als auf den Bildschirm von Pizza Nuno. Der Jubel jeweils acht Sekunden vor dem Tor für Deutschland war nicht zu überhören und trübte die Spannung beträchtlich. Also weiß ich immer noch nicht, wo ich heute Abend schaue. Hat jemand einen Tipp für mich, irgendwo in Kreuzberg, wo es keine Hipster gibt?

Die Drei von der Schlandstelle

Ich werde heute ja bekanntlich eher durch relativ dezente Kleidung meine Sympathie für die deutsche Mannschaft bekunden. Andere machen das anders. Aus Hamburg-Eppendorf schickte mir die reizende Blogleserin Anika L. Bildmaterial vom Tag des zweiten

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und des dritten Vorrundenspiels.

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Ich bin schon gespannt, was sich die Drei von der Schlandstelle zum heutigen Match einfallen lassen.

Unser täglich Hemd

Es wird wärmer. Doch schon der sittliche Anstand und die Würde unserer Parlamentarischen Demokratie legen es nahe, ein Hemd zu tragen. Dieses, je nach Perspektive noch ungebügelte oder leger drapierte Exemplar, ist meine heutige Wahl:

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Es ist ein Erinnerungsstück an einen wundervollen Abend. Es war ein Qualifikationsspiel zum derzeit laufenden Turnier. Einige Zuschauer im Berliner Olympiastadion sympathisierten mit der Mannschaft der Türkei. Laut war es, aber friedlich.  Deutschland siegte 3:0 durch Tore von Miro Klose (2) und Mesut Özil. Ein absoluter Fußballhochgenuss.

Nachtrag: Nein, ich habe keine Lust auf verklemmte Debatten über die gefährliche Bestie „Nationalismus“, die auch in mir, in uns allen schlummert und nur darauf wartet, geweckt zu werden. Wirklich nicht.