RUMMS WUMMS

Der Weg zur Hölle, so pflegte mein Vater zu sagen, ist gepflastert mit guten Vorsätzen. Und diese haben gemeinhin Konjunktur um den Jahreswechsel. Ich als Nonkonformist habe nun also die Pflicht, mir selbst vorzulügen, es habe nur mit den wiederholten Wünschen aus meiner Leserschaft zu tun, dass ich am Neujahrstag zum ersten Mal seit Langem (es ist in der Zwischenzeit viel geschehen) wieder etwas in mein Blog hineinschreibe. Und es geht – hier schließt sich der kleine Kreis – um die Hölle, genauer gesagt um Silvester in Berlin.

Jahr für Jahr kommen Menschen aus aller Welt in die Stadt, um hier den Jahreswechsel zu er- und verleben. Ihre Motivlage ist mir vollkommen schleierhaft. Berlin ist im Winter grauenhaft. Und Silvester hier ist, ach, mir fehlen die Worte, dieses Inferno zu beschreiben. Aber die brauche ich auch gar nicht, denn über das Kraftfuttermischwerk stieß ich auf ein beeindruckendes Video; ein Mann Namens Boris Niehaus aka. JUST ist mit einem Auto Punkt Mitternacht losgefahren und hat den ganzen Irrsinn mit einer Dashcam gefilmt:

Die Route führt von der Frankfurter Allee in Friedrichshain über Kreuzberg 36 bis in die Straßen Neuköllns. Besonders spektakulär sind erwartungsgemäß die Eruptionen menschlicher Dummheit um Warschauer- und Oberbaumbrücke (ab ca 2′ 40“). Doch es lohnt sich, das erschütternde Dokument bis zum Ende zu betrachten, es enthält noch manch reizende Kleinigkeit, von einer Rauferei am Straßenrand über mehr oder weniger gelungene Böllerwürfe bis hin zu dichtem Bodennebel aus Sprengstoffrückständen. Und auch die Freude der Lebensmüdigkeit kommen nicht zu kurz: Auf der Sonnenalle ist Höhe Weichselstraße ein Mensch zu sehen, der sich mit dem Fahrrad in diese Hölle gewagt hat. Über sein weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

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Zubeißen!

Ja, es ist Kreuz mit dieser Bloggerei. Vor lauter Twitter kommt man zu nichts. Dabei gibt es so viele tolle Sachen, die eine ausführliche Würdigung wert wären. Und Menschen. Einer davon ist Gregor. Gregor hat ein Label, also das, was man gemeinhin eine Plattenfirma nennt. Gregor beutet also nicht nur arme wehrlose Künstler aus, sondern lacht auch höhnisch über sie, nachdem er sich vom Handschuhfachdeckel seines Jaguar geschmeidig eine umfangreiche Linie Kokains ins Zentrale Nervensystem gesaugt hat. Contentmafia eben.

Weit gefehlt! Gregor ist nicht nur ein beschämend netter Bursche, sondern auch ein Mann, der von seiner Leidenschaft getrieben wundervolle Musik in wundervoller Form veröffentlicht – Musik, die meilenweit entfernt ist von dem Dreck, den einem die Formatklitschen seit Jahrzehnten um die Ohren senden. Musik, mit der man nicht reich werden kann, aber ein Zeichen setzt wider Mittelmaß und Kommerz. Wer seine zum Teil unfassbar aufwändigen Produktionen nicht kennt – Gregors Laden heißt Sounds of Subterrania. Es ist wenig originell, Gregor und seine Arbeit zu rühmen. Das Geschäftsstellenteam des Verbandes unabhängiger Musikunternehmen – meines derzeitigen Arbeitgebers – hat Gregor vor einem knappen Jahr (also vor meiner Zeit) die Goldene Indieaxt zuerkannt.

All dies wäre erwähnenswert genug, doch einen ham wa noch: Sounds of Subterrania wird in diesem Jahr 15 Jahre alt, und das wird unter dem Motto „Bite it“ mit einem zweitägigen Labelfest gefeiert. Und das, die Freude steigt ins Unermessliche, feiert der in Hamburg ansässige Gregor auch noch in Berlin. Und es geht noch besser: Der ganze Spaß findet auch noch in Fußmarschdistanz von meiner Wohnung statt – die ganze Chose wird sich im Columbia-Club am ebensolchen Damm abspielen.

Neben dem im Trailer auftretenden Reverend Beat-Man werden Action Beat,The Berserkerz, The Blue Screen of Death, Chung, Columbian Neckties, Devil in Miss Jones, Freddy Fischer & his Cosmic Rocktime Band, Gruppe 80, Holiday Fun Club, Kamikaze Queens, Lo Fat Orchestra, Meine kleine Deutsche, The Sewergrooves, The Stilettos, und Trixie Trainwreck am Start sein.

Das alles zu verpassen wäre unklug. Also flink Eintrittsbillets auf Gregors Website geschossen – wir sehen uns dann spätestens im CC.