Nur der HSV

Kaum einmal einen glücklichen Sieg gegen einen desolaten VfB erstümpert, und im Süden Schleswig-Holsteins macht sich Größenwahn breit. Und dann wird auch noch Schnulzenkaiser Wiebusch zitiert. Ein Song, ein Video wie ein Autounfall. Und die Anwesenheit dieses Plüschsauriers legt den Verdacht nahe, dass der Verein sich offiziell an dieser Idiotie beteiligt hat.

Dank für den Fund an den guten @sparschaeler

Ganz kurz gefragt

Für die Ratefreunde (und bitte raten, mit Google und Wikipedia ist es etwas witzlos) eine kurze Frage am Morgen (Ihr müsstet so nach und nach in Euren Büros einsickern). Es geht um ein Fabrikgebäude, die Frage ist nicht, um welches es sich handelt, sondern wann es in Betrieb genommen wurde. Ich weiß, warum ich das frage, einige von Euch sicherlich nicht.

fabrik

Herzliche Grüße übrigens an meine hannöverschen Leser.

Das Foto habe nicht ich gemacht, Urheber ist Carsten Janssen, der so nett war, es unter einer CC BY-SA 2.0 Lizenz zu veröffentlichen.

Keine Kulturkurznachrichten

Intelligente Leser, und nur solche hat dieses Blog, wollen ab und an auch einmal verwirrt werden. Und das gelingt am besten, wenn der Autor das gar nicht beabsichtigt. So zum Beispiel mit einer Randbemerkung in einem Blogbeitrag von vor ein paar Wochen, in der ich von MuseUps berichtete, also von Twitter- respektive Twitterer- respektive Twitterinentreffen in Museen.

Ich wollte es nicht provozieren, aber das Erstaunen meiner Leserinnen und Leser hat mich nicht besonders erstaunt, kannte ich es doch aus verschiedenen persönlichen Gesprächen. „Seid Ihr bescheuert? Könnt Ihr nicht mal mehr in ein Museum gehen, ohne die ganze Zeit aufs Handy zu glotzen?“ Die kurze Antwort lautet „nö“.

laut

Mit dem oftmals als „Kurznachrichtendienst“ fehlbeschriebenen Twitter ist es so eine Sache: Nur wenige Mitmenschen sehen die vielfältigen Möglichkeiten, die Twitter bietet. Die maximale Textlänge von 140 Zeichen zwingen zur Konzentration und Reflexion, Twitter ist ein ideales Tool zu Gedankenaustausch und Dialog. Und auch wenn es als reine Spielerei abgetan wird, so erwidere ich, dass auch Spielen mit mehreren meist mehr Spaß macht als alleine. Denn es ist ja gerade nicht so, dass Smartphone und Tablet einsam machen. Ganz im Gegenteil: Soziale Medien beruhen auf Interaktion, Kommunikation. Sie bringen Menschen zusammen – in diesem Falle solche, die die Begeisterung für Twitter und für Museen teilen. So gesehen hat sich ein loser Kreis Gleichgesonnener gefunden, die sich ab und an treffen und zusammen Spaß im Museum haben und manchmal auch aus der Sichtweise der anderen etwas lernen können, wie ein Storify von einem gemeinsamen Besuch im Tränenpalast eindrucksvoll zeigt.

stori

Viele von uns werden sicherlich auch bei der Langen Nacht der Museen am Wochenende unterwegs sein und unter dem Hashtag #lnberlin eifrig Eindrücke teilen. Ich freu mich schon drauf.

Willkommen in Heidenau

Deutschland 2015. Rassistische Verbrecherbanden üben landauf landab weitgehend ungehindert ihren Terror aus. Es ist zum Weinen, zum Zittern, zum Kotzen. Da mag selbst Musik kaum Trost spenden. Obwohl, hübsch ist es, das Lied der sympathischen Kleinstadt Heidenau in Südostsachsen. „Na komm tritt ein, Du bist willkommen, setz Dich zu uns, krieg das Zuhausgefühl…“

Keep calm

Bis vor einigen Tagen dachte ich, das Keep-calm-Meme sei mausetot und unwiederbringlich unlustig. Doch dann sah ich das hier

calm

und kichere seitdem immer mal wieder dämlich.

Das Ding gibt es übrigens als Poster und T-Shirt zu kaufen. Weihnachten steht ja quasi vor der Tür.

P.S.: Ich habe die Rechteinhaber selbstverständlich schriftlich um ihr Einverständnis zu dieser konkreten Veröffentlichung gebeten.

Boim! Boim! Barenboim!

Der Berliner als solcher – das mag Menschen erschüttern, die nur unsere Busfahrer und Kellner kennen – ist zur Liebe fähig. Und wo er hinliebt, da wächst dann auch kein Gras mehr. Für gewöhnlich liebt das Berliner Publikum keine an Makeln armen Heldengestalten, doch für Daniel Barenboim macht man nur allzu gerne eine Ausnahme. So war dieser Tage die Waldbühne kurz vor pickepackevoll, als der Meister mit dem von ihm mitbegründeten West-Eastern Divan Orchestra zum mittlerweile traditionellen Sommerkonzert lud. Und die Menge war wild entschlossen, sich nach Kräften zu amüsieren.

Das machten Ihr Barenboim und sein Ensemble aus jungen Musikern aus Israel und der islamischen Welt allerdings auch sehr leicht: Bereits das nicht sehr oft zu hörenden Tripelkonzert C-Dur op. 56 von Ludwig van Beethoven bot einen atemberaubenden Dialog der Solisten vor einem grundsoliden Klangkörper. Besondere Aufmerksamkeit bringt diese Komposition dem Solocellisten, hier glänzte der temperamentvolle Kian Soltani, neben ihm brillierte der langjährige Kapellmeister der Berliner Philharmoniker, Guy Braunstein. Daniel Barenboim selbst hatte in diesem Konzert eine Doppelbelastung: Er war Solopianist und Dirigent in Personalunion – eine Aufgabe, die er mit leichter Hand bravourös meisterte. Ein schöner Einstieg, doch vorerst noch nicht mehr. Zwar ist das Tripelkonzert, ich schrieb dies, eher selten zu hören, aber Beethoven klingt eben in der Regel nach Beethoven.

gleiss

Nach der Halbzeitbratwurst ging es dann richtig los, wurde aus dem netten Abend mit schöner Musik ein denkwürdiges Erlebnis, personell deutlich verstärkt und nun mit dem Dirigenten am Pult gab es dann Tschaikowski, Pjotr Iljitsch, genauer gesagt dessen 4. Sinfonie. Ein furioses Werk, dargeboten von einem in der hereinbrechenden Abenddämmerung immer glänzender ausgeleuchteten und vor Spielfreude geradezu explodierenden Orchester. Und könnte man sich für das magisch flirrende Pizzicato des dritten Satzes einen geeigneteren Ort als eine Bühne in einem Wald vorstellen und wünschen? Und noch ehe der letzte Ton verklungen war, brandete Jubel auf wie in einem Fußballstadion – das Berliner Publikum feierte seinen Liebling Barenboim frenetisch und schrie nach Zugaben – mit Erfolg.

Deren zweite brachte einen magischen Moment: Der mittlerweile schon über siebzig Jahre alte Maestro übergab die Leitung an einen noch in den Zwanzigern seines Lebens stehenden Dirigenten. Dieser sei, so erklärte Barenboim in seiner Vorstellung des jungen Kollegen, eine der herausragendsten musikalischen Begabungen seiner Generation. Er legte allen Zuhörern dringen nahe, sich den Namen Lahav Shani gut zu merken. Das, lieber Meister Barenboim, machen wir. Versprochen.