Kühl

Alle reden über das Wetter. Ich auch. Seit gestern ist der Hochsommer in Deutschland vorbei, gegen 18 Uhr Ortszeit erreichte die finale Kaltfront Kreuzberg. Wer es jetzt noch knalleheiß haben möchte, der muss verreisen, beispielsweise nach Griechenland. Bereits dort, genauer gesagt in Neá Makri, ist der uns allen bereits aus großer Kälte bekannte Flowin Immo. Der hat offenbar, wie ein Video von vorgestern zeigt, einiges in der Pipeline und kommt dafür mächtig ins Schwitzen.

Es scheint sich zu lohnen, schon die ersten Geräusche grooven ungemein.

Nachtrag: Dazu fällt mir ein alter Kalauer ein: „Kali nichta.“ „Nee, der is noch in Hamburch.“

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Boim! Boim! Barenboim!

Der Berliner als solcher – das mag Menschen erschüttern, die nur unsere Busfahrer und Kellner kennen – ist zur Liebe fähig. Und wo er hinliebt, da wächst dann auch kein Gras mehr. Für gewöhnlich liebt das Berliner Publikum keine an Makeln armen Heldengestalten, doch für Daniel Barenboim macht man nur allzu gerne eine Ausnahme. So war dieser Tage die Waldbühne kurz vor pickepackevoll, als der Meister mit dem von ihm mitbegründeten West-Eastern Divan Orchestra zum mittlerweile traditionellen Sommerkonzert lud. Und die Menge war wild entschlossen, sich nach Kräften zu amüsieren.

Das machten Ihr Barenboim und sein Ensemble aus jungen Musikern aus Israel und der islamischen Welt allerdings auch sehr leicht: Bereits das nicht sehr oft zu hörenden Tripelkonzert C-Dur op. 56 von Ludwig van Beethoven bot einen atemberaubenden Dialog der Solisten vor einem grundsoliden Klangkörper. Besondere Aufmerksamkeit bringt diese Komposition dem Solocellisten, hier glänzte der temperamentvolle Kian Soltani, neben ihm brillierte der langjährige Kapellmeister der Berliner Philharmoniker, Guy Braunstein. Daniel Barenboim selbst hatte in diesem Konzert eine Doppelbelastung: Er war Solopianist und Dirigent in Personalunion – eine Aufgabe, die er mit leichter Hand bravourös meisterte. Ein schöner Einstieg, doch vorerst noch nicht mehr. Zwar ist das Tripelkonzert, ich schrieb dies, eher selten zu hören, aber Beethoven klingt eben in der Regel nach Beethoven.

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Nach der Halbzeitbratwurst ging es dann richtig los, wurde aus dem netten Abend mit schöner Musik ein denkwürdiges Erlebnis, personell deutlich verstärkt und nun mit dem Dirigenten am Pult gab es dann Tschaikowski, Pjotr Iljitsch, genauer gesagt dessen 4. Sinfonie. Ein furioses Werk, dargeboten von einem in der hereinbrechenden Abenddämmerung immer glänzender ausgeleuchteten und vor Spielfreude geradezu explodierenden Orchester. Und könnte man sich für das magisch flirrende Pizzicato des dritten Satzes einen geeigneteren Ort als eine Bühne in einem Wald vorstellen und wünschen? Und noch ehe der letzte Ton verklungen war, brandete Jubel auf wie in einem Fußballstadion – das Berliner Publikum feierte seinen Liebling Barenboim frenetisch und schrie nach Zugaben – mit Erfolg.

Deren zweite brachte einen magischen Moment: Der mittlerweile schon über siebzig Jahre alte Maestro übergab die Leitung an einen noch in den Zwanzigern seines Lebens stehenden Dirigenten. Dieser sei, so erklärte Barenboim in seiner Vorstellung des jungen Kollegen, eine der herausragendsten musikalischen Begabungen seiner Generation. Er legte allen Zuhörern dringen nahe, sich den Namen Lahav Shani gut zu merken. Das, lieber Meister Barenboim, machen wir. Versprochen.

Kabel? Jau!

Die Colieblingsblogleserin hat Recht: Ich blogge zu wenig. Das ist besonders nachlässig, da ich seit Monaten einen losen Faden respektive ein loses Kabel liegen habe. Der Berliner würde „zu liegen“ schreiben, aber das bin ich ja nun nicht.Ich werde hier dauernd für einen Hamburger gehalten. Das stimmt natürlich auch nicht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Und schon wieder habe ich den roten Faden respektive das gelbe Kabel verloren. Ich weiß schon, warum ich so gerne twittere – das 140-Zeichen-Limit diszipliniert ungemein. Aber für die Kabelsache und alles, was daran hängt, wäre das natürlich viel zu kurz. Denn so ein Kabel kommt selten allein. Und wenn doch, dann sucht es, darin dem Menschen nicht unähnlich, nach Anschluss. Das Gegenstück, der Anschlusspartner oder was auch immer, des wunderhübschen gelben Kabels ist ein schwarzen Zylinder.

kabel

Er hat etwa das Format und das Gewicht einer handelsüblichen Halbliter-Bierdose, macht aber deutlich länger Freude. (Haben Sie den Bezug meines Sofas bemerkt? Ja, es ist ein Original aus den Sechzigern.) Denn es macht Musik. Bis zu 15 Stunden,zwischen zwei Kontakten mit der gelben elektrischen Nabelschnur. (Blödes Bild, aber ich lass das erstmal so stehen.) Der Name des Gerätes passt hervorragend zu den Titeln der Frühjanuarseinträge RUMMS WUMMS, Noch mehr RUMMS und Der letzte RUMMS – der drahtlose Lautsprecher aus dem Hause Ultimate Ears, einer Logitech-Tochter für hochwertige Kopfhörer und Lautsprecher, heißt BOOM.

Diesen Namen trägt das niedliche Rundumbrüllerchen zu Recht, es überzeugt durch einen satten und vollen Klang in alle Richtungen, ohne zu basslastig zu sein oder gar an der Leistungsgrenze zu klirren oder zu scheppern. Die Verbindung zur Klangquelle erfolgt via Bluetooth. Das hat in meinem Test mit allen ausprobierten Geräten weitgehend problemlos funktioniert – von aktuellen Windowsrechnern und Androiden über ein iPhone 3GS mit iOS 6 bis hin zu einem angejahrten Telephon mit Android Gingerbread. Nur auf letzterem ließ sich die zugehörige App nicht installieren. Doch die ist ohnehin bis heute nur ein Nice-to-have, wenn man nicht mehr als eine UE BOOM betreiben möchte.

Drinnen klingt das kleine Schwarze (es gibt auch poppigere Farben) beeindruckend, und niemand muss Angst haben, seine BOOM mitzunehmen. Ich habe die Versprechen des Herstellers eulenspiegeloid wörtlich genommen. Keineswegs wasserscheu zeigte sich der fröhliche Musikant und auch ein schwungvollen Roller durch einen ganzen S-Bahn-Wagen reichte nicht einmal für einen kurzen Aussetzer. Doch auch wenn der erste Promo Spin der Sharing-Gedanke der eigenen Lieblingsmusik war, ist aus Gründen der Menschlichkeit von einem Betrieb in öffentlichen Verkehrsmittel abzusehen – jeder, der am Spätmittag schon einmal im M29 und/oder M41 unterwegs war, ahnt das apokalyptische Missbrauchspotenzial.Dem allerdings steht eine gewisse finanzielle Hürde entgegegen – mit einer UVP von knapp 200 und einem aktuellen Marktpreis von etwa 150 Euro kann sich vermutlich nicht jeder Störenfried diese wirkungsvolle Waffe gegen die Stille leisten.

stativ

In der heimischen Wohnung hingegen bieten sich viele ethisch einwandfreie Einsatzmethoden. So weit das Signal trägt, kann man die Musik mit sich umhertragen. Mal eben Musik für die Badewanne oder für den Abwasch das Hörbuch nicht unterbrechen? Kein Problem – Zimmerwände stellen kein Hindernis dar. Und so kann ein ausgedientes Smartphone als Empfänger von Webradio gute Dienste tun. Und eine von verschiedenenen schönen Detaillösungen ist ein Standardgewinde: Auf jeden Photostativ lässt sich die UE-Boom beliebig im Raum platzieren – mit manchem antiken Exemplar kann so ein wohlklingendes Einrichtungsstück entstehen.

Disclaimer: Ich habe die BOOM unentgeltlich zum Testen und Rezensieren von Ultimate Ears bekommen. Eine vorherige Absprache, das Produkt positiv zu bewerten, hat es nicht gegeben und wäre auch mit mir nicht zu machen.

Nachdenken über Holland.

Ich habe noch vor keinem großen Fußballturnier so wenig Vorfreude verspürt wie in diesem Jahr. Aber am Ende schaue ich natürlich wie alle anderen doch und hoffe wie alle anderen auch, dass sich für dir deutsche Mannschaft vor dem Ausscheiden gegen Italien oder Spanien doch die Möglichkeit ergibt, Holland wegzuhauen. Doch das, also dieses Holland-Ding, bietet eine Menge Stoff zum Nachdenken.

Schon der Name. Natürlich müsste es heißen „Die Niederlande“, sind doch vermutlich auch Spieler aus beispielsweise Friesland, der Drenthe oder Maastricht zugelassen. Der größte Spieler in der Niederländischen Fußballgeschichte war allerdings tatsächlich ein gebürtiger Holländer. Ich habe Johan Cruyff einmal leibhaftig spielen sehen, Anfang der Achtziger in einem Trainingsspiel von Ajax in Nordwijk. Cruyff, damals schon nicht mehr der Jüngste, wurde noch in der ersten Hälfte ausgewechselt und hat keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, wohl aber ein Nachwuchsspieler, ebenfalls gebürtiger Holländer, namens Frank Rijkaard. Dieser sollte sich später große Verdienste um die deutsch-holländische Fußballrivalität machen, indem er, die Älteren werden sich erinnern, unseren Nationalhelden Rudolf Völler ungeahndet anspuckte, 1990 war das, im Achtelfinale in Mailand.Spätestens da hätte den englischen Fans und Journalisten klar sein müssen, dass für uns deutschen Fußballfreunde Holland der Lieblingsrivale ist, so sehr sie auch ihre Gegnerschaft zu den Krauts betonen.

Doch der besagte Einsatz Rijkaards blieb wirkungslos – die Unsrigen gewannen das Spiel und wurden Weltmeister – zum bislang letzten Mal, 24 Jahre ist das nun auch schon wieder her. Überhaupt hat den Holländern, obwohl sie großartige Mannschaften hatten, der Einsatz nie den ganz großen Erfolg gebracht – sie wurden dreimal Vizeweltmeister ohne einmal den Titel zu erringen. Ein trauriger Rekord.

Nun gab es neulich für die holländische (ich zieh das durch) Fußballgemeinde eine gute Nachricht: Rafael van der Vaart wird dem Turnier in Brasilien fernbleiben. Doch das wird vermutlich nicht reichen, um den Männern in den orangefarbenen Leibchen den ersehnten ersten Weltmeistertitel zu holen. Doch einen bemerkenswerten Beitrag aus Holland zur WM gibt es bereits. Die Europop-Legenden Vengaboys habe ihren schon etwas angestaubten Partyknaller „2 Brazil“ recycled. Das Video ist von den Medien ausgesprochen wohlwollend aufgenommen worden, und ja, es bietet seinerseits einigen Stoff zum Nachdenken.

 

Triggerwarnung statt Trittbrett

„Die Pöhler“ schwimmen auf einer Welle des Erfolgs. Das Medienecho auf die Südhannoversche Fußballversion von „We’re not gonna take it“ könnte zum Sommerhit werden, wenn die deutsche Mannschaft weit kommt. In diesem kleinen Blog hat der letzte Beitrag mächtig eingeschlagen und nie gekannte Zugriffszahlen gebracht. Das hat mich nicht überrascht, hatten die drei Beiträge über die Band of Poachers aus meiner Waldheimat seinerzeit auch schon ziemlich gute Zugriffszahlen.

Auch wenn ich nur gelegentlich, also viel zu selten, blogge, freue ich mich über Publikumsinteresse. Das einfachste wäre jetzt natürlich, gemütlich auf dem Trittbrett der Pöhler rumzustehen und weiteres Material zu verbloggen. Doch wer mich kennt, der weiß, dass ich den einfachsten Weg nur selten gehe. Aber ganz so schwer mache ich es mir diesmal auch nicht – ich präsentiere ein weiteres Zeugnis der Musikaltät meiner Heimat. [Triggerwarnung: Sexismus, Lookism, Keyboard, Ostfälisch]

Wie auch im Pöhlerfalle ist gut zu erkennen, dass das gute Einbecker Bier eine gewisse Rolle im Entstehungsprozess gespielt hat. Und in einem der Musiker glaube ich einen ehemaligen Mitschüler zu erkennen, der aus dem gleichen Dorf wie die Poachers kommt. Irgendwie hängt immer alles mit allem zusammen.

Südniedersachsen wie es singt und kickt

Fußball ist toll. Musik ist toll. Aber Fußballmusik ist in aller Regel grauenvoll. Vor jedem internationalen Turnier bringen Profis, Halbamateure und Amateure Songs und Hymnen an den Start, die man schnell auswendig kann und auch im Dreiviertel- bis Vollrausch noch mitgrölen kann. Unlängst ergoss sich in diesem Netz kübelweise Spott über eine ehemalige C-Prominente, deren WM-Song fast so grauenhaft war wie alles von Sportfreunde Stiller.

Doch es gibt eine gute Alternative: Mein diesjähriger WM-Hit stammt eindeutig aus meiner südniedersächsischen Heimat. Dort hat eine mir bis dato unbekannte Combo das bereits in vielen Stadien zu hörende „We’re not gonna take it“ von Twisted Sister auf das Ereignis des Sommers 2014 umgetextet und eingespielt.

A propos Stadion: Der Sportplatz in dem Video kommt mir verdammt bekannt vor. Ich könnte schwören, dass ich da schon das eine oder andere Mal rübergelaufen bin.

nackt

Nacktheit ist kaum mehr ein Tabu. Schon seit einigen Jahren lassen sich Freiwillige Feuerwehren, Volleyballmannschaften und viele andere (frei nach der Ktel-Werbung meiner Kindheit) nackt ablichten, um über respektive durch den Restvoyeurismus des Publikums ein bisschen Geld von A nach B fließen zu lassen. Tut keinem weh, ist für einen guten bis sehr guten Zweck und sowieso ist der Schambereich (hochinteressantes Wort übrigens) stets bedeckt.

Nacktheit kann auch metaphorisch aufgeladen sein, nicht unbedingt sexuell, sondern für Reinheit (vgl: Naked Bikes) oder Schutzlosigkeit stehen. Und natürlich kann man im 21. Jahrhundert, das sich auf einen oberflächlichen Blick in kulturellen Versatzstücken ausdrückt, nackt auch klassische Kunstwerke oder Posen nachahmen.

All dies  – Nacktheit für den guten Zweck, als Metapher und als Zitat – kann gar das Ziel verfolgen, etwas Neues, Ungekanntes hervorzubringen oder möglich zu machen. Das führt mich zu Flowin Immo, einem der erfreulichsten Menschen, deren Bekanntschaft ich im vergangenen Jahr machen durfte. Flowin Immo ist, was ich sehr bewundere, ein kreativer Künstler und ein ungewöhnlicher Mensch im besten Sinne. Und er hat nach respektive aus einer üblen Zeit ein großartiges Projekt in der Pipeline, für das er allerdings Hilfe braucht.Und dafür zieht er blank  Ich könnte jetzt lange mit meiner Halbahnung rumfaseln, aber ich gebe einfach dem Meister selbst das Wort und das Bild:

Und hier könnt Ihr Immo unterstützen.