Boim! Boim! Barenboim!

Der Berliner als solcher – das mag Menschen erschüttern, die nur unsere Busfahrer und Kellner kennen – ist zur Liebe fähig. Und wo er hinliebt, da wächst dann auch kein Gras mehr. Für gewöhnlich liebt das Berliner Publikum keine an Makeln armen Heldengestalten, doch für Daniel Barenboim macht man nur allzu gerne eine Ausnahme. So war dieser Tage die Waldbühne kurz vor pickepackevoll, als der Meister mit dem von ihm mitbegründeten West-Eastern Divan Orchestra zum mittlerweile traditionellen Sommerkonzert lud. Und die Menge war wild entschlossen, sich nach Kräften zu amüsieren.

Das machten Ihr Barenboim und sein Ensemble aus jungen Musikern aus Israel und der islamischen Welt allerdings auch sehr leicht: Bereits das nicht sehr oft zu hörenden Tripelkonzert C-Dur op. 56 von Ludwig van Beethoven bot einen atemberaubenden Dialog der Solisten vor einem grundsoliden Klangkörper. Besondere Aufmerksamkeit bringt diese Komposition dem Solocellisten, hier glänzte der temperamentvolle Kian Soltani, neben ihm brillierte der langjährige Kapellmeister der Berliner Philharmoniker, Guy Braunstein. Daniel Barenboim selbst hatte in diesem Konzert eine Doppelbelastung: Er war Solopianist und Dirigent in Personalunion – eine Aufgabe, die er mit leichter Hand bravourös meisterte. Ein schöner Einstieg, doch vorerst noch nicht mehr. Zwar ist das Tripelkonzert, ich schrieb dies, eher selten zu hören, aber Beethoven klingt eben in der Regel nach Beethoven.

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Nach der Halbzeitbratwurst ging es dann richtig los, wurde aus dem netten Abend mit schöner Musik ein denkwürdiges Erlebnis, personell deutlich verstärkt und nun mit dem Dirigenten am Pult gab es dann Tschaikowski, Pjotr Iljitsch, genauer gesagt dessen 4. Sinfonie. Ein furioses Werk, dargeboten von einem in der hereinbrechenden Abenddämmerung immer glänzender ausgeleuchteten und vor Spielfreude geradezu explodierenden Orchester. Und könnte man sich für das magisch flirrende Pizzicato des dritten Satzes einen geeigneteren Ort als eine Bühne in einem Wald vorstellen und wünschen? Und noch ehe der letzte Ton verklungen war, brandete Jubel auf wie in einem Fußballstadion – das Berliner Publikum feierte seinen Liebling Barenboim frenetisch und schrie nach Zugaben – mit Erfolg.

Deren zweite brachte einen magischen Moment: Der mittlerweile schon über siebzig Jahre alte Maestro übergab die Leitung an einen noch in den Zwanzigern seines Lebens stehenden Dirigenten. Dieser sei, so erklärte Barenboim in seiner Vorstellung des jungen Kollegen, eine der herausragendsten musikalischen Begabungen seiner Generation. Er legte allen Zuhörern dringen nahe, sich den Namen Lahav Shani gut zu merken. Das, lieber Meister Barenboim, machen wir. Versprochen.

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