Unter der Oberfläche

Kalt ist es dieser Tage in Deutschland. Das gilt unter anderem für das Wetter. Doch letzteres ist nicht schlimm, vielleicht sogar ganz gut – hindert es die Menschen doch, stumpf in der Sonne rumzuglühen und nach und nach zu verblöden. Bei schlechtem Wetter bieten sich überdachte Aktivitäten an – zum Beispiel ein Besuch in einem der über 170 Museen in Berlin.

Museen haben etwas von Eisbergen. Es gibt einen gut und oftmals weithin sichtbaren oberen Teil – beim Museum die für das Publikum geöffneten Häuser mit ihren Dauer- und Sonderausstellungen – die weitaus größte Masse jedoch bleibt verborgen. Der untere, unsichtbare Teil eines Eisberges heißt übrigens wie der untere Teil eines Schiffes „Kiel“ Das ist nicht frei von Ironie, soll hier aber nicht näher erörtert werden.

Ich bin ein leidenschaftlicher Museumsgänger, und vielleicht gerade, weil die Kiele der Museen, die Magazine, prinzipiell verbotene Schatzkammern, Schatzhäuser gar sind, üben diese seit jeher einen besonderen Reiz auf mich aus. Zu meinem großen Glück bin ich vor etwa zwei Jahren via Twitter auf einen Kreis von Museumsbegeisterten gestoßen, die zu so genannten MuseUps in Museen gingen und von dort unter ebendiesem Hashtag gemeinsam twitterten. Das Faszinierende an diesen MuseUps: Sie spielen sich außerhalb der Öffnungszeiten oder Ausstellungsräume ab, die Teilnehmer bekommen von den Museen spezielle Führungen oder Zugang zu sonst nicht öffentlichen Räumen und Bereichen.

So war es diese Woche für mich, den twitternden Kulturbeutel, keine Premiere, als sich für eine kleine Besuchergruppe im wunderschönen und quasi nigelnagelneuen Neubau unweit der Museumsinsel die stählernen Magazintüren der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin öffneten.

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Neben zwei (Micro-)Bloggern bekamen glückliche Gewinner einer Verlosung einen exklusiven Einblick in die antike Kunst – die Organisatoren der Langen Nacht der Museen, zu der vom 29. auf den 30. August 77 Berliner Museen von 18 Uhr bis 2 Uhr morgens zum Besuch einladen, hatten unter Käufern von Onlinekarten Teilnehmerplätze verlost. Diese Verlosung dauert nach wie vor (ich schreibe und veröffentliche dies am 30. Juli) an, mehr Infos gibt es unter dem oben stehenden Link auf die Seite der Langen Nacht.

Depotführungen haben neben der ihnen innewohnenden Exklusivität einen weiteren Reiz. Während man in den Ausstellungsräumen von Museen mehr oder weniger autonom und vom Personal unbehelligt herumschleichen darf und dadurch auch die Möglichkeit hat, die interessantesten Exponate zu verpassen, wird man schon aus Sicherheitsgründen (vor allem für die gelagerten Sammlungsstücke) von hochrangigen Verantwortlichen der gastgebenden Institute und Sammlungen begleitet. Unserer kleinen Gruppe zeigte Dr. Martin Maischberger, der stellvertretende Direktor der Antikensammlung, in zwei Magazinsälen Teile der Sammlung antiker Skulpturen.

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Insgesamt umfasst die Sammlung, deren Geschichte bis in die Renaissance zurückreicht, geschätzte 100.000 zum Teil weit über 2.000 Jahre alte Gegenstände, davon etwa 2.800 Skulpturen, zum Teil tonnenschwer.

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Eher handlich jedoch ist das Lieblingsmagazinstück Maischbergers, ein kleiner Statuenkopf aus der römischen Kaiserzeit.

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Ein Lieblingsstück wohl auch, weil es mit seinem aus der deutschen Kaiserzeit stammenden Sockel kaum unkommentiert ausgestellt werden könnte und sich so am Objekt exemplarisch zeigt, wie sich der Blick auf die Welt im Ganzen innerhalb von nur gut hundert Jahren grundsätzlich gewandelt hat und der damalige Umgang mit und Zugang zu antiker Kunst mittlerweile selbst Gegenstand von Geschichtsforschung und -wissenschaft geworden ist.kleine bueste

negerknabensockelDeutlich sperriger und gewichtiger hingegen einige Stücke, die nur vorübergehend im Magazin eingelagert worden sind. Versandfertig verpackt und ein wenig im Weg stehend fanden wir drei fast mannshohe Marmorreliefs vor. Diese sind Teil des wegen Renovierungsarbeiten bis voraussichtlich 2019 (ich erspare mir an dieser Stelle eine gallige Bemerkung über pünktliche Fertigstellung von Bauarbeiten in Berlin) nicht zu sehenden Pergamonaltars, genauer gesagt des Thelephosfrieses. Die fachmännische Verpackung hat ihren Grund – die Stücke sind nur auf der Durchreise. Zurück von einer Ausleihe nach London warten sie auf die Weiterreise nach New York.

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Leihgaben an andere Museen in aller Welt sind kein Einzelfall – im Gegenteil. Martin Maischberger berichtete, dass man bei weitem nicht alle Nachfrage befriedigen könne, da Vorbereitung und die Leihe selbst sehr sehr aufwändig seien. Aber man tut, was man kann – in den meterlangen Skulpturenreihen auf den weißen Schwerlastregalböden war manche vorübergehende Lücke zu sehen.
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Doch es waren noch genug Köpfe da zum Betrachten, Bewundern und Bestaunen,

marxengelsleninstalinum schließlich den eigenen nachdenklich zu kratzen.

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Ein Blumenrätsel aus dem Altertum

Ich greife meinem nächsten Blogbeitrag vor. Das ist dramaturgisch erstaunlich dumm, aber hey. Ich habe mich gestern ein wenig mit der Antike befasst. Ich finde es erstaunlich, wie nah uns diese so langen vergangenen Jahrhunderte heute noch sind…ich verweise nur auf erfreuliche Dinge wie Demokratie, Mathematik und Muskel-und-Sandalen-Filme.

Auch manch ein Symbol hat die Zeitläufte überdauert, zum Beispiel die Rose. Seit dem Altertum steht sie für die Liebe mit all ihrer Ambivalenz und gelegentlichen Schmerzhaftigkeit – keine Rose ohne Dornen . Doch Symbolik hin und Liebesweh her, selbst ohne diese Aufladung ist die Rose, was sie ist: eine wunderschöne Blume. Glücklich darf sich schätzen, wer einen ganzen Garten voller Rosen findet.

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Und das führt direkt zur heutigen Quizfrage, die natürlich ganz simpel lautet: Wo in Berlin ist dieses herrliche Garten zu finden?