Pussy Riot sind keine Verbrecherinnen – eine öffentliche Erwiderung

Ein Mensch, der selbst in seinem eigenen Blog seinen Namen nicht nennen mag, hat diesen kurzen Beitrag zu Pussy Riot folgendermaßen kommentiert:
„Wo fängt den Gewalt gegen Menschen an? Ist eine Verletzung der religiösen Gefühle auch schon ein Verbrechen, oder zumindest eine moralische Untat?“ http://platzderbefreiung.wordpress.com/2012/08/17/freiheit-fur-pussy-riot/
Da ich mit dem bei WordPress für Kommentare zur Verfügung stehenden sichtbarem  Platz nicht auskomme, muss ich das in Form eines eigenen Blogposts tun (ich darf das, dieses Blog gehört mir):
Sehr geehrter Mensch, der sich scheut, seinen Namen zu nennen,
Ich bin, genau wie Sie, Christ. Es ist ausgesprochen schwierig, meine religiösen Gefühle zu verletzen. Ich bin was Andersdenkende und Andersgläubige angeht ziemlich tolerant, auch meine muslimischen, alevitischen und jüdischen Freunde halten das ähnlich. Die Meinungsäußerung von Pussy Riot war vielleicht wenig geschmackvoll. Allerdings verstehe ich die Aktion politisch und nicht religiös – die orthodoxe Kirche in Russland agiert sehr politisch im Sinne des Putin-Regimes.Ein Verbrechen oder gar eine Untat ist das, was die Frauen von Pussy Riot getan haben, auf keinen Fall. Es ist ein elementares Menschenrecht, anderer Meinung zu sein als das Staatsoberhaupt und die Kirche und das auch öffentlich zu bekunden. Ein Staat, in dem das mit Haftstrafen bewehrt ist, ist ein Staat der Unfreiheit und des Unrechts.Soeben ist zu erfahren, dass ein Schuldspruch erfolgt ist. Das gegenwärtige Russland zeigt sich damit als ein solcher Staat. Doch der Protest in Russland macht Mut, dass das nicht von Dauer ist.
Ihnen wünsche ich einen erfreulichen Tag und den Mut, vielleicht unter Ihrem Namen politisch zu kommunizieren. Das ist in unserem Staat zum Glück nicht so gefährlich wie in Russland.
Herzlichst, Jungmann

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5 Gedanken zu „Pussy Riot sind keine Verbrecherinnen – eine öffentliche Erwiderung

  1. Sehr geehrte Herr Jungmann,
    da ich mein Blog erst noch einrichte, gibt es noch einiges nachzuholen. Meinen Namen wollte ich jedenfalls nicht verheimlichen.
    Im Grunde bin ich doch auch gegen eine Verurteilung der Frauen! Durch ihre Aktion fühle ich mich auch keineswegs in meinem Gefühlen verletzt. Ganz im Gegenteil. Aber das ist doch eine sehr subjektive Angelegenheit. Gefühle und Glaube. Meine muslimischen Freunde fühlen sich durch Mohammed-Karikaturen beleidigt und viele (auch Nicht-Muslime) haben damals gefordert, man müsse ihre Veröffentlichung verbieten. Hier stürmt jemand den heiligen Raum einer Kirche (zu der ich mich übrigens keineswegs hingezogen fühle) und wird dafür von allen Seiten gelobt. Meine Kritik ist nur, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Wenn Sie mir jetzt sagen, dass Sie auch auf eine Demo für Kurt Westegaard gehen würden, wäre ich beeindruckt.
    Und die unheilige Verbindung zwischen Russischer Kirche und Putin habe ich in meinem Artikel ja bereits kritisiert. Ich bin also völlig bei Ihnen.
    Gruß, Elias Ernst

    • Sehr geehrter Herr Ernst, herzlichen Dank für Ihre freundlichen und sachlichen Worte. Selbstverständlich hatten Kurt Westergaard und andere das Recht, den Propheten Mohammed zu karikieren, selbstverständlich hatte Jyllands-Posten genau das gleiche Recht, diese zhu veröffentlichen wie Beispielsweise das Magazin Titanic Bilder, mit denen der Papst veralbert wird. Und auch wenn ich beides nicht umwerfend komisch oder geschmackvoll finde – selbstverständlich würde ich für diese Freiheit öffentlich demonstrieren. Allerdings stößt in meinem Wertesystem dieses Recht an seine Grenzen, wenn, wie dies wohl für heute in Berlin geplant ist, Rechtsextremisten gezielt vor Moscheenaufmarschieren um die Gläubigen mit Karikaturen zu provozieren.

  2. Edit:
    Ich bin also gegen eine Verurteilung weil die Frauen die Kirche oder die Regierung kritisiert haben. Das muss durch Meinungsfreiheit gedeckt werden. Dass die Kirche sich aber wehrt, weil sie in ihrem Gottesdienst in ihrer Kirche als „Scheiße Gottes“ beschimpft wurde, kann ich gut nachvollziehen.
    Gruß

    • Na klar. Aber in einem freiheitlichen Rechtsstaat wandert für so ein Vergehen niemand auch nur für einen einzigen Tag ins Gefängnis, in Russland schon.

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