Gedenken, reinrassig

Dass der Bundespräsident zum Gedenken an die Pogrome in Rostock Lichtenhagen ausgerechnet eine Eiche pflanzen musste, war ja so bizarr, dass man fast darüber hätte grinsen können. Was Leftvision in diesem Video dokumentiert, ist das Gegenteil von lustig. Es ist zum Weinen. Oder zum Schreien. Je nach Gemütslage.

Das geht nicht nur die Roten an

Es ist etwas faul im Süden Berlins, es stinkt, es modert tiefbraun vor sich hin. Gestern haben Neonazis einen Farbanschlag auf ein Büro der SPD und des Abgeordneten Erol Özkaraca in Neukölln verübt. Bild

In der gleichen Nacht war das Tempelhofer Büro der Bundestagsabgeordneten Mechthild Rawert Ziel einer Attacke. In der letzten Woche wurde ein 17-jähriger Aktivist der sozialistischen Jugendorganisation „Die Falken“ in Britz von maskierten Tätern überfallen und zusammengeschlagen. Zuvor gab es Anschläge auf die Wohnhäuser eines Jungsozialisten und eines Funktionärs der Partei „Die Linken“ sowie ein SPD-Büro in Treptow-Köpenick. Zweimal wurde die „Ansprech Bar“ der Jungsozialisten in Oberschöneweide angegriffen, das Anton-Schmaus-Haus, eine Bildungsstätte der Falken in Britz, liegt quasi unter Dauerbeschuss. Das geht nicht nur Sozialdemokraten und Sozialisten an. Denn hinter all diesen Anschlägen steckt Hass auf die Gesellschaft, Hass auf alle, die ein friedliches Zusammenleben in Vielfalt wollen, die für Freiheit und Gerechtigkeit eintreten. Diesem Hass muss sich die gesamte Gesellschaft entschlossen entgegenstellen. Und der Innensenator muss mit der gleichen Energie gegen die Rechtsextremisten vorgehen, wie er dies gegen die organisierte Kriminalität der Rockerbanden getan hat.

Freiheit und Freibier

Ich habe heute den Anfang eines Punktspiels des FC St. Pauli versäumt. Freiwillig. Alle, die mich kennen, wissen, dass es dafür eines außerodentlich triftigen Grundes bedarf. (Oh, Ihr heiratet am Sonnabend? Hey, das wird sicherlich auch ohne mich hinhauen.) Heute war so einer: Auf der Campus Party sprach Sir Timothy Berners-Lee, OM, KBO, der Erfinder von HTML und Begründer des World Wide Web über die Zukunft des Netzes. Jetzt habe ich eine Ahnung, wie sich zwölfjährige Mädchen beim Anblick dieses Jünglings namens Bieber fühlen. Ich will kein leeres Stroh dreschen, der Vortrag ist in den Fachmedien hinreichend gut und treffend wiedergegeben. Doch den Kerngedanken möchte ich teilen: Auch in Zukunft muss das Web, zu dem übrigens gegenwärtig nur ein Viertel der Menschheit Zugang hat,  frei sein, „frei“ wie in „Freiheit“, nicht wie in „Freibier“.

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Nachtrag: Ich wünschte, ich hätte das ganze Spiel verpasst.

Kunstratebild

Ich hatte eigentlich geplant, einen längeren Text zu den Menschenbildern am Gebäudekomplex Wilhelmstraße 2-6 zu schreiben, doch das hat sich nun erledigt. In den Kommentaren zum letzten Suchbildbeitrag haben die Leserinnen Cordelia und Gutsy Mama das wichtigste mitgeteilt. So beschränke ich mich darauf, das vollständige Portrait zu posten.

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Und ein neues Ratebild gibtb esnatürlich auch noch. Die Fragen liegen auf der Hand: Was hat es damit auf sich? Oder genauer: Wem gehört der gezeigte Fuß, wer hat es gemalt, wo ist es zu finden, was wisst Ihr sonst noch so dazu? Ich rechne mit einer Auflösung in der nächsten Viertelstunde.

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Hinweis: Die Quadrate in der rechten unteren Ecke sind eine Verpixelung der Signatur.

Die Rückkehr der Ratebilder

OK, ich habe verstanden. Ihr boykottiert also dieses Blog bis es wieder ein Rätselbild gibt. Also mach ich das, bin ja schließlich Dienstleister. Doch zunächst die Auflösung. Das Geschäft von Willi Boos war im Haus Bergmannstraße 99, heute werden keine Tabakwaren, sondern Hüte dort verkauft. Willi Boos war auch der große Mann in der Geschichte des Fußballvereins BSC/Eintracht Südring – Sportplatz und Clubheim an der Baerwaldstraße tragen seinen Namen.Und es auf eine Bitte des Vereinsvorstandes hat der Besitzer des Hauses das alte Ladenschild erhalten. Näheres zu Willi Boos ist dort auf einer Gedenktafel zu erfahren.Doch nun zum neuen Ratebild.

Treue Leser wissen, dass ich mich an schönen Graffiti erfreuen und mich über hässliche ärgern kann. Jetzt kommt ein billiger redaktioneller Taschenspielertrick: Ich kann solche Streetart-erwähnungen auch in Rätselform tätigen. Und das mache ich jetzt einfach mal. Wo blicken den Betrachter diese Augen an?

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Coelho und Chuzpe

Es ist immer leichter, einen Verriss zu schreiben, als zu loben. Und natürlich gibt es eine genze Menge zu kritisieren an dieser Campus Party Europe. Die optische Präsenz des Hauptsponsors ist tatsächlich aufdringlich und penetrant. Die Ordner sind in der Tat ein Haufen finsterer und ungehobelter Grobiane. Und die Cateringpreise spotten wirklich jeder Beschreibung (4,50 Euro für einen Döner. Am Platz der Luftbrücke. Ich lache immer noch.)

Auch über das inhaltliche Konzept könnte man ausgiebig debattieren, wenn es denn überhaupt eines gibt, oder über einen weitgehend unpolitischen und allenfalls merkantil interessierten Digitalhedonismus. Aber die Keynotes sind bis hierhin großartig. Bis kurz vor eben spielte Israels Internetunternehmerlegende Yossi Vardi mit seinen Zuhörern geistiges Katz-und-Maus, unter anderem wies er auf den oft unterschätzten Erfolgsfaktor Chuzpe hin.

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Und als gestern 500 junge Menschen gebannt Paulo Coelho lauschten, der sein Credo von der Bereicherung durch Teilen verkündete, da fühlte ich mich an einen Kirchentag erinnert.

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Und eine Großartigkeit lässt sich gar nicht genug zu betonen: Ich schreibe diese Zeilen ziemlich genau an der Stelle, an der Billy Wilder unter anderem mit James Cagney und Hotte Buchholz die Schlusszene von „Eins, zwei, drei“ gedreht hat, per Glasfaserkabel mit der ganzen Welt verbunden.

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